Aufwandsbezogene Preisbildung

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Grundgedanke der aufwandsbezogenen Preisbildung

Die Preisbildung aus Angebot und Nachfrage kann sich nachteilig auswirken, da sie zu Konkurrenzkampf auf dem Markt führt, nicht aber zwangsläufig zur Verbesserung der Produkte und Herstellungsverfahren. Die Folge davon sind Leistungsdruck und die Neigung zu Korruption und Kriminalität, sobald der Leistungsdruck nicht mehr ertragen werden kann. Wer überleben will der muss sich dass, was er zum überleben braucht notfalls auch illegal erwerben, auch wenn das nicht erstrebenswert ist. Eine Lösung für diese Probleme bietet die Preisbildung anhand des gesamten Aufwands, der für die Herstellung eines Produktes nötig ist. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die Herstellungsverfahren der Produkte für jedermann offengelegt werden und auch für Händler und Kunden nachvollziehbar sind. (Transparenz)

Nähere Beschreibung

Um ein Produkt herzustellen ist immer ein bestimmter Aufwand nötig. Dieser Aufwand setzt sich unter anderem zusammen aus Arbeitszeit, Material und Rücklagen für unvorhergesehene Risiken und Investitionen. Der Aufwand ist abhängig von Herstellungsverfahren und unter anderem davon, wie leicht die Rohstoffe zu beschaffen sind oder ob eine umfangreichere Produktentwicklung im Vorfeld nötig war. In jedem Fall ist der Aufwand nachvollziehbar, für den Produzenten wie auch für den Kunden.
Der neue Gedanke ist hier, dass der Kunde sich auch über den Aufwand im klaren sein sollte, der hinter einem Produkt steht. Der Kunde soll einen Einblick darin erhalten, wie die angebotenen Produkte hergestellt werden. Ist dem Kunden sowie auch dem Händler der Aufwand hinter einem Produkt bekannt, dann ergibt sich der Preis in seiner Größenordnung automatisch, er wird nachvollziehbar. Preisverhandlungen sind hier nur noch durch ein Entgegenkommen des Kunden an den Produzenten sinnvoll, wie zum Beispiel durch eine Zeitlich befristete garantierte Abnahme. Durch die Transparenz des Produktionsaufwandes sinkt das Preisintervall. Ähnliche Verfahren werden z.B. bei Automobilzulieferern angewandt - durch die Offenlegung der Kalkulation soll die langfristige wirtschaftliche Stabilität des Lieferanten gewährleistet werden.

Wahrscheinliche Auswirkungen der aufwandsbezogenen Preisbildung

Bei der Preisbildung unter Betrachtung des Aufwands werden sich die Kunden nicht mehr vollkommen blind und ohne nachzudenken für das billigste Angebot entscheiden. Die Kunden werden beginnen, ihre Produkte mit offenen Augen und mit einer Neugier für deren Herstellungsverfahren zu kaufen. Sie werden sich verstärkt für ihre Ware interessieren. Es ist nicht schlecht, wenn Kunden sich für ein günstiges Angebot entscheiden, wenn der günstige Preis darauf beruht, dass das Produkt mit einem sehr effizienten Herstellungsverfahren erzeugt wurde. Kunden werden dann durch ihre Sparsamkeit effiziente und gut durchdachte Herstellungsverfahren unterstützen.

Durch eine Preisbildung nach Aufwand ist es auch nicht mehr nötig, dass Unternehmen sich im Preiskampf gegenseitig in den Ruin treiben. Ruinöse Preiskämpfe schaden der Wirtschaft. Die Mitarbeiter der Unternehmen sind in ihrem Privatleben Kunden. Die Anbieter der Waren sind Arbeitgeber.

Kritik

Die Aufwandsbezogene Preisbildung wird von der Österreichischen Schule der Nationalökonomie kritisch gesehen. Preise sind ein wesentliches Signal, um Sinn oder Unsinn einer wirtschaftlichen Handlung zu erkennen. Ohne Preiswettbewerb ist es nicht möglich, die Effizienz des eigenen Handelns zu hinterfragen.

Bsp: Wenn jemand eine Betriebsanleitung händisch abschreibt, wird er für diese Arbeit mehrere Stunden benötigen. Trotzdem ist diese Arbeit nicht werthaltig, da sie billiger und besser von einem Kopiergerät erledigt werden könnte. Falls ein Käufer eines Radios bereit ist, zu akzeptieren, dass das Herstellen der Anleitung ein Aufwand von mehreren Stunden war (und er daher eine entsprechende Gegenleistung bringen muss) dann wird die Fehlallokation "Schreiben von Gebrauchsanweisungen mit der Hand" aufrecht bleiben. - Die Gesamtökonomie wird ineffizient.

Die Beispiele aus der Automobilindustrie sind nicht allgemein anwendbar - es besteht dort ein sehr starkes Bedürfnis des Leistungsempfängers, dass sein Lieferant nicht insolvent wird.

Die praktische Erfahrung zeigt auch, dass der notwendige Bewusstseinsgrad und die erforderliche Einsicht nur bei wenigen Personen vorhanden ist. Aufwandsbezogene Preisbildung ist daher hauptsächlich in informellen Kleingruppen anwendbar, in der die Gruppenmitglieder unter starker gegenseitiger sozialer Kontrolle stehen.